Samstag, 23. September 2017

Sprachveränderung : Abflachung als Modernisierung

Richtiges Deutsch: Heute falsch, morgen richtig

Ist ein «Bericht zur Lage der deutschen Sprache» überhaupt noch möglich oder zeitgemäss? Dass er kaum schlüssige Resultate ausweisen kann, wundert nicht – eher schon die verblüffend simple Bilanz.
Benedict Neff, NZZ  22.9.2017

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Wird die gleiche Haltung hinsichtlich gesellschaftlicher, ethischer Werte gepflegt, wird morgen das heutige Unrecht, z.B. Mord, Recht, also richtig sein. Handelt es sich dann auch um eine korrekte, anzuerkennende Entwicklung, wie wir sie in der allgemeinen Abstumfpung schon ablesen können, in welcher staatliche Kontrolle, Verfolgung und Terror "gutgeheißen" werden, in der Krieg wieder als vernünftige ultima ratio erscheint?


Mittwoch, 20. September 2017

Rilkes Briefe faksimiliert online lesen

Jetzt kann jeder Rilkes Briefe lesen

Das Schweizerische Literaturarchiv hat alle Handschriften des Dichters Rainer Maria Rilke digitalisiert. Der Wissenschaft eröffnen sich neue Wege.

Tages Anzeiger Zürich, 19.9.2017

 

Der Wert eines Buches



Man möchte annehmen, ein wertvolles Buch sei zuerst eines, das wegen seines Inhalts wertgeschätzt, gepriesen und, vor allem, gelesen wird. Je geliebter, desto häufiger gelesen. Die andere Seite ist die materielle Wertschätzung: seltene Ausgabe, besonders aufwändig produziert, mit Widmung des Autors versehen oder mit sonstigen wertsteigernden Eigenheiten. Es soll in gutem Zustand sein. Es sollte keine Gebrauchsspuren zeigen. Der materielle Wert steht im Widerspruch zum immateriellen. Denn ein Buch, das keine Lesespuren zeigt, ist nicht gelesen worden. Weshalb nicht? Es hat offensichtlich nicht als Lesestoff gedient, sondern als Wertanlage, Spekulationsstück oder Prestigeobjekt. Es ist als Schrift entwertet worden zugunsten des materialen Marktwertes, eine zweite Verdinglichung, nach der Sammler als Besitzer gieren.

Diese Perversion zeigte sich mir überdeutlich in einem Video eines bekannten englischen Buchhändlers über eine seltene Erstausgabe von JamesJoyce’s ULYSSES, die nicht gelesen worden war, die man auch nicht lesen darf, weil das schlecht gebundene Buch dann bräche und den hohen Preis minderte. Was für eine Wertschätzung! Das Video dokumentiert die ritualisierte Preisung des Dings.

[Der materielle Aspekt, der so extrem hervorgehoben wird, ist auch im gemeinen Verhalten von James Joyce gegenüber Sylvia Beach enthalten. Er, dem geholfen worden war, vergaß alles und ließ seine Erstverlegerin abstürzen, wandte sich einem anderen Verlag zu. Geschäft ist Geschäft, Moral gibt es nicht (wie später der Kommunist Brecht so treffend festhielt: erst kommt das Fressen, dann die Moral…) In Wikipedia kann man darüber kurz lesen:

“Shakespeare and Company gained considerable fame after it published James Joyce's Ulysses in 1922, as a result of Joyce's inability to get an edition out in English-speaking countries.  Beach would later be financially stranded when Joyce signed on with another publisher, leaving Beach in debt after bankrolling, and suffering severe losses from, the publication of Ulysses.”

Joyce war ein skrupelloser Egoist, der, wenn es ihm besser ging, Hilfe und Unterstützung vergaß. Vielleicht ist das der eigentliche Maßstab für seinen Ruhm?]

Diese Haltungen gemahnen mich an die völlig perverse Besitzlust gewisser Persönlichkeitsgeschädigter, die millionenteure Kunstwerke in Depots wegsperren, weil der materielle Besitz so wertvoll, so teuer ist, dass der Artefakt nicht mehr „geteilt“ (kommuniziert) werden darf, weil die Risiken zu hoch sind für den Besitz und den Besitzer.

Nachbemerkung:

Soeben lese ich in der PRESSE:

Harry-Potter-Erstausgabe erzielt bei Auktion knapp 68 000 Euro

Bei einer Versteigerung in den USA wurde ein neuer Weltrekord für den Preis eines unsignierten, fiktionalen Werks erzielt.
DIE PRESSE ; 19.9.2017 

Montag, 18. September 2017

Heideggers Gelassenheit

In der BIBLIOTHEK GLEICHGEWICHT bringen wir am Samstag
7. Oktober 2017 um 17 Uhr die Rezitation von Margit Baar, Heinz  Mayer und Haimo L. Handl :

Martin Heidegger:
Zur Erörterung der Gelassenheit
Aus einem Feldweggespräch über das Denken

Der verrufene Philosoph hat nicht nur über Sein & Zeit, das Nichtende Nichts oder die Geworfenheit philosophiert, sondern in den späten Jahren neben seiner Technikkritik auch über die Gelassenheit gedacht und reflektiert.
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Die Gelassenheit des Martin Heidegger
Matthias Matussek, DIE WELT,  29.09.2014

„Gelassenheit“ bei Heidegger und Meister Eckhart
Friedrich-Wilhelm Von Herrmann, Springer Verlag

Heideggers Vortrag "Gelassenheit", gehalten in Meßkirch 1955 anlässlich der Gedenkfeier für Conradin Kreutzer:



Militarizing Homeland Security


Tomgram: Michael Klare, The New Face of "War" at Home

The United States just experienced its largest rainfall event in memory. For the first time in recorded weather history, two category 4 hurricanes, Harvey and Irma, hit in a single season (not yet over). And San Francisco, famed for its chilliness, experienced an unheard of 106 degree day as September began, while a record West Coast heat wave, essentially an unending Irma or Harvey of wildfires, left parts of the region, from Los Angeles to British Columbia, enwreathed in a pall of smoke and ash (without even an El Niño year to blame for it). And did I mention that both states hit by those recent hurricanes have climate-change denying governors? Or that the man now in charge in Washington also denies the reality of climate change (a Chinese hoax!) and has stocked his administration with a remarkable cast of fervent deniers (the latest such appointment being the head of NASA), who have essentially wiped all references to the phenomenon off every imaginable federal website, fired climate-change scientists, and -- as a crew regularly backed in their careers by big energy -- seem intent on recreating the fossil-fueled America of The Donald’s 1950s childhood.



Beyond Harvey and Irma
Militarizing Homeland Security in the Climate-Change Era
By Michael T. Klare, Sept. 17, 2017

Read on at TomDispatch

Sonntag, 17. September 2017

Women, language, literature and the market

Anne Enright's DIARY, in the LONDON REVIEW OF BOOKS, Vol. 39 No. 18 · 21 September 2017 (pages 33-35 | 5094 words) deals with the gender bias in literature (even in langauge and, of course, very much in business):

In 2015, the novelist Catherine Nichols sent the opening pages of the book she was working on to fifty literary agents. She got so little response she decided to shift gender and try as ‘George’ instead. The difference amazed her. ‘A third of the agents who saw his query wanted to see more, where my numbers never did shift from one in 25.’ The words, as written by George, had an appeal that Catherine could only envy. She also, perhaps, felt a little robbed. ‘He is eight and a half times better than me at writing the same book.’

Read on here

Thoughtful, mind opening!


Anne Enright in Wikipedia

Samstag, 16. September 2017

Sieglinde Geisel im Gespräch mit Peter von Matt


„Ich gehe immer von Konflikten aus“
Ein Gespräch über genaues Lesen und das Schreiben über Literatur.


SINN UND FORM 2017/5 (September/Oktober), S. 622-630

Peter von Matt, der bekannte und zu Recht berühmte Lehrer und Autor sowie Literaturkritiker, in einem Gespräch, worin er sich zum Wesen der Literatur ebenso äußert, wie zum Lesen, zum „Vollzug der Literatur“. Erfrischend, wie bedacht und kundig er spricht, so ganz anders, als wir es von den professionellen Schnellredern und Marktgrößen, den Kurzdenkern und Angepassten gewohnt sind zu vernehmen.

Empfehlenswert!

Die Kenntnis der unbedingten Bedeutung des Lesers bzw. des Leseaktes ist keine neue oder neuere Erkenntnis. Wir finden Sie im fernöstlichen frühen Denken, bei Denkern wie Nietzsche (in oft widersprüchlichen Formulierungen) und Poeten wie Walt Whitman. Letzterer hielt fest:

"Great poetry is possible only if there are great readers."

40. Todestag von Maria Callas

Maria Callas (eigentlich Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulou, * 2. Dezember 1923 in New York City; † 16. September 1977 in Paris) war eine griechisch-amerikanische Opernsängerin. Sie war eine der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.
Wikipedia


Wir weinen um die absolute Diva.


Maria Callas: 50 außergewöhnliche Opernarien

Maria Callas - J'ai perdu mon Eurydice

Maria Callas, O malheureuse Iphigénie

Gluck - Ifigenia In Tauride - O Dolce Suol...O Sventurata Ilfigenia

O dei, del mio fato crudele, Maria Callas: ALCESTE, GLUCK

MARIA CALLAS LUCIA DI LAMMERMOOR Studio 1953 integrale